Trainer- und Schlagzeilenwechsel
Was nicht alles zu lesen ist zum Trainerwechsel beim HSV, unter anderem auf den Portalen der sogenannten Qualitätszeitungen:
faz.net, 01.02.2007:
Insider sind sich sicher: Magath wird voraussichtlich offiziell am Freitag mit seinem Assistenten Seppo Eichkorn präsentiert werden.
sueddeutsche.de, 01.02.2007:
Magath wird Trainer beim HSV
Ausgerechnet Bayern-Manager Uli Hoeneß bestätigte den Wechsel von Magath nach Hamburg: “Ich freue mich riesig für Felix.”
blick.ch, 01.02.2007:
Magath hat bereits wieder Arbeit
Am Mittwoch bei Bayern gefeuert – und am Donnerstag beim HSV angeheuert: Felix Magath löst Thomas Doll ab!
sportbild.de, 02.02.2007:
Stevens kommt
Heute Abend soll der neue Trainer die Mannschaft in Berlin kennenlernen. Wie SPORT BILD online erfuhr, sind nur noch einige Details zur Vertragsauflösung mit seinem holländischen Verein Roda .Chaos um den neuen Trainer. HSV-Boss Bernd Hoffmann hatte angekündigt: “Beim Spiel gegen Hertha BSC wird ein neuer Trainer auf der Bank sitzen.”
spiegel.de, 02.02.2007:
Stevens wird noch heute in Hamburg erwartet, soll aber beim Punktspiel des HSV am Samstag in Berlin (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch nicht auf der Trainerbank sitzen.
spiegel.de, 02.02.2007 (der gleiche Artikel, nach Reload um 15 Uhr):
Der frühere Coach von Schalke 04, Hertha BSC Berlin und des 1. FC Köln tritt damit die Nachfolge des gestern entlassenen Thomas Doll an und soll das Team laut Vereinshomepage bereits morgen im Punktspiel des HSV in Berlin (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) betreuen.
hsv.de, 02.02.2007, um 15:20 Uhr, als die Meldung seit Stunden im Umlauf war:
Der Hamburger SV hat Huub Stevens als neuen Trainer verpflichtet. Der Holländer wechselt vom niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade an die Elbe. Der 53-Jährige erhält einen Vertrag bis zum 30.06.2008. “Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Der HSV ist in der Bundesliga ein Verein mit viel Tradition. Ich bin sicher, dass die Mannschaft die nötige Qualität besitzt und in den verbleibenden Spielen die Abstiegsregion verlassen wird”, sagte Stevens. “Wir haben mit Huub Stevens einen erfahrenen Trainer verpflichtet, der sich in der Bundesliga gut auskennt. Wir sind überzeugt, dass er die Mannschaft aus dem Tabellenkeller führen wird”, erklärte HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann.
Wie ist das jetzt gelaufen? Den vielen Berichten nach zu schliessen vermutlich so: Letzte Woche wurde Huub Stevens vom HSV kontaktiert, damit man wer hat, falls Trainer Doll gehen muss. Gestern wurde dann Doll gefeuert. Weil HSV-Altstar Felix Magath durch eine Entlassung beim FC Bayern München gerade frei war, flog man ihn kurzerhand ein und bot ihm eine Anstellung an. Man wurde sich nicht einig. Also griff der HSV auf Huub Stevens zurück. Er darf nun ran, als zweite Wahl.
So ein Trainerwechsel ist für die Verantwortlichen keine angenehme Sache - sie streben einen möglichst schnellen, diskreten und reibungslosen Wechsel an. Für die Medien hingegen ist genau das Gegenteil der ideale Fall. In der Praxis sieht das dann so aus:
welt.de, 01.02.2007:
Um die lästigen Verfolger abzuschütteln, riskierte Katja Kraus ihren Führerschein. Links geblinkt, aber rechts abgebogen, das Gaspedal durchgedrückt und gerade eben noch bei Gelb über die Ampel. So schüttelte das Vorstandsmitglied des Hamburger SV einige Reporter ab, die ihr und Beifahrer Bernd Hoffmann am Donnerstagmittag dicht auf den Fersen waren. Der Ort des Treffens blieb also geheim, nicht aber der Grund: Die Verantwortlichen des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga waren mit Felix Magath (53) verabredet, um den erst am Mittwoch bei Bayern München beurlaubten Trainer ein schnelles Comeback in der Hansestadt schmackhaft zu machen.
Der bei Borussia Mönchengladbach ebenfalls diese Woche freigestellte Jupp Heynckes kann von einer ganz anderen Art Druck erzählen. Er ist unter anderem wegen Morddrohungen zurückgetreten.
rp-online.de, 01.02.2007:
Die sportliche Talfahrt der Mannschaft auf einen Abstiegsplatz statt des Aufschwungs an die obere Tabellenhälfte, begleitet von ?ständigen und sehr persönlichen Angriffen in einigen Medien?, die auf die Leistungsfähigkeit der Mannschaft drückten, waren die offenkundigen Auslöser des Entschlusses. Drei von der Polizei sehr ernst genommene, teils detaillierte Morddrohungen, die letzte am vergangenen Samstag beim Spiel in Cottbus (1:3), brachten dann ?das Fass zum Überlaufen?, wie Heynckes gestern im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Da reifte der schon im Dezember aufgekommene, auf Drängen des Präsidiums aber wieder verworfene Gedanke aufzuhören. In der Nacht nach dem enttäuschenden 0:0 am Dienstag im Heimspiel gegen Nürnberg fiel im Gespräch mit seiner Frau Iris die endgültige Entscheidung, die er gestern früh dem Verein mitteilte.
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