Swissair-Prozess livegebloggt
Gleich allen hiesigen Medien informiert auch das Schweizer Fernsehen täglich aus der Stadthalle Bülach, wo noch bis zum 09.03.2007 der Zusammenbruch der Swissair juristisch aufgearbeitet wird. Wie Tagesschau-Chefredaktor Ueli Haldimann in seinem Blog schreibt, wird die Berichterstattung einerseits durch einen vor dem Gerichtssaal rumlungernden “Prozessbeobachter” mit Kameramann durchgeführt, der Einschätzungen und Interviews macht, andererseits durch eine im Gerichtssaal sitzende Journalistin, die mit einem Laptop ausgestattet ist (der online ist!) und das Geschehen und die Aussagen protokolliert (Übersicht hier).
Das hat folgenden Grund. Das Bezirksgericht Bülach schreibt in den Hinweisen für Medienschaffende:
Ton- und Bildaufnahmen im Gebäudeinnern (einschliesslich Eingangsfoyer!) sind strikte untersagt! Ton- und Bildaufnahmegeräte sind beim Eingang zu deponieren. Mobiltelefone sind zugelassen, müssen aber im Saal ausgeschaltet sein. Zuwiderhandlung hat den Entzug der Akkreditierung und Ordnungsbusse zur Folge.
Mit den zugelassenen Laptops und Handys könnten problemlos Ton- und Bildaufnahmen produziert werden, aber ein Entzug der Akkreditierung und eine angedrohte Ordnungsbusse werden Schweizer Journalisten ausreichend abschrecken, um sich den Auflagen gerecht zu verhalten. Wir sind ja nicht an einer Saddam-Hinrichtung.
Doch die Journalistin der “Multimedia-Newsredaktion” (so heisst das dort) mit dem onlinen Laptop und dem juristischen Hintergrund wird also sowas wie livebloggen, was grossartig ist für alle Interessierten. Schläfrige oder schwerhörige Journalisten können so ihre Notizen abgleichen und kleinere Redaktionen sparen ihren Mann vor Ort ein. Mir gefallen besonders die Beobachtungen, die Carmen Gloria Godoy in ihr Protokoll einfliessen lässt. Bei der Befragung von Mario Corti zum Beispiel:
Angeklagter wird nervös.
Angeklagter holt lange aus um zu antworten und antwortet dann unklar.
Angeklagter sucht in seinem Rollköfferchen nach den Akten.
Anmerkung: Publikum lacht.
Leider ist die gute Aktion nicht leicht zu finden und geht etwas unter zwischen den anderen Links, Dateien und Informationen. Läse ich keine Blogs - ich wäre nie darauf gestossen.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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Helza
Dies ist für einmal eine Meisterleistung der Tagesschau-Redaktion. Gute Dinge sind eben oft ganz einfach. Aber man muss halt darauf kommen. O-Ton der Angeklagten. So kann sich für einmal jede und jeder eine eigene Meinung bilden und muss sich nicht nur auf die subjektive Wahrnehmung der Medien stützen, welche die Aussagen filtern. Also, mir gefällts.
Ronnie Grob
Find ich auch, sf.tv hat so oder so einiges begriffen, auch was Blogs angeht. Gestern hörte ich per Zufall Mario Corti im Echo der Zeit auf Radio DRS. Er sagte sinngemäss, er freue sich auf den Prozess, weil er nun das erste Mail seit fünf Jahren seine Sicht der Dinge darlegen könne. Mario Corti kennt Blogs offenbar nicht.