Journalistin nach Blogeintrag vor Gericht
Fernsehsendungen, in denen man singend zum Star werden kann, gibt es nach dem englischen Vorbild Pop Idol fast in jedem Land. Was bei RTL Deutschland sucht den Superstar hiess, nennt sich in Österreich Starmania. Moderatorin von Starmania ist Arabella Kiesbauer, die beim Schweizer Pendant Music Star auch schon in der Jury sass.
Frau Kiesbauer musste aufgrund ihrer Moderatorentätigkeit einen (unterdessen gelöschten) Weblogeintrag auf den Seiten von Zeit Online über sich lesen, in dem sie über ihre “grauenhafte Art” aufgeklärt wurde. Die Verfasserin des Beitrags, Journalistin Doris Knecht (blog.zeit.de/oesterreich, dorisknecht.com, in der Schweiz bekannt als ehemalige Mimis-Kolumnistin im Magazin), schrieb angeblich, sie hasse Frau Kiesbauer und halte ihr Gekreisch nicht mehr aus. Ausserdem soll sie sich über Nacktfotos lustig gemacht haben (presse.at).
Frau Knecht stand nun gestern vor dem Wiener Straflandesgericht wegen übler Nachrede. Ihre Angriffe rechtfertigte sie damit, dass es Arabella Kiesbauer gewohnt sei, mit der Öffentlichkeit umzugehen und die Öffentlichkeit suche. Ausserdem habe ihr Beitrag nicht auf die Person gezielt, sondern auf die Kunstfigur, die sie auf dem Bildschirm repräsentiere.
Der Rechtsanwalt der persönlich nicht erschienenen Moderatorin will nun eine “umfassende Unterlassungserklärung” von Doris Knecht und ist bei Erhalt einer solchen zu einem Vergleich bereit. Wenn das nicht zustande komme, sei eine Verurteilung der Journalistin unumgänglich, so der Anwalt weiter. Die Bereitschaft, einen solchen Vergleich einzugehen und den Prozess so abzubrechen, ist auf der Angeklagten-Seite aber offenbar da. Es sollen innerhalb der nächsten drei Wochen Gespräche dazu stattfinden.
Harte Zeiten also für Blogger, die sich ihre Gefühle ohne lange nachzudenken von der Leber schreiben. Rechtsbrüche, die im Alltag mangels Zeugen oft schwer nachzuweisen sind, können bei Blogeinträgen noch nach Jahren mühelos nachgewiesen werden. Da der Blogeintrag in diesem Fall nicht vorhanden ist, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, ob Doris Knecht zu weit gegangen oder ob Arabella Kiesbauer überempfindlich ist.
Dem neuen Blick-Beauftragten für MusicStar-Kritik wünschen wir jedenfalls keine Klagen, wie wir auch sonst niemandem Klagen wünschen.
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4 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- medienlese » Blog Archiv » Frau Knecht is wieder lieb
(4. Februar 2007 21:04)
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sugus
ahhh… amüsant. irgendwie aber auch zickig ! danke für den beitrag.
leu
Aha, da steckt Frau Knecht also.
Mathieu Lune
Doris Knecht, Journalistin vor Gericht
Journalistin nach Blogeintrag vor Gericht - so liest sich die Meldung unter:
http://blog.zeit.de/oesterreich/
Kommentare zum Artikel
http://blog.zeit.de/oesterreich/2006/10/20/qualitatsfernsehen_192#comment-479
Ich klickte mich durch und las nach.
Doris Knecht schrieb über Starmania/Kiesbauer einen schneidenden Artikel; das ist ihr gutes Recht. Ich hatte den Artikel damals gelesen und erinnere mich gut daran; ich erinnere mich auch daran, dass die Worte: ?Ich hasse ??, aneinander gereiht klar und deutlich da standen.
Mich persönlich spricht diese Schreibweise nicht an ? Angriff gekoppelt mit ein bisschen Spott. Ich las auch die Kommentare zu diesem Artikel ? die Mehrheit sprang auf die Knechtsche Schiene auf und leistete ihren Beitrag zur Krönung; unter den Kommentaren suchten meine Augen wenigstens eine Entgegnung.
Ob man Frau Kiesbauer zuhören will oder auch nicht, ob man Frau Kiesbauer mag oder nicht, ob man die Fernsehsendung Starmania über sich ergehen lassen will oder nicht, die Entscheidung darüber treffen letztendlich die ZuschauerInnen; ähnlich wie bei Krone und Bild Zeitung die KäuferInnen.
Mit der bequemen Fernbedienung kann heute jeder Mensch den on und off Knopf betätigen, Krone oder Bild zu kaufen bleibt auch den KonsumentInnen überlassen. Manche sind und bleiben eben verlassen?
Auch wenn mich Starmania, Moderatorin Kiesbauer absolut nicht interessieren, Krone und Bild nicht zu meinen ?Lieblingszeitungen? zählen, beeinträchtigen sie nicht negativ mein tägliches Leben. Sie leben hervorragend, ich lebe bescheiden und fühle mich einzig.
Warum anzuschreiben und dagegen zu wettern, was nicht gefällt oder gar ziemlich nervt? Das kostet nicht nur Energie und führt obendrein zu einem kümmerlichen Ergebnis. In diesem Fall zu einer Gerichtsklage; vielleicht sehnte sich aber Doris Knecht in Wirklichkeit nach mehr Öffentlichkeit und traf deshalb diese Wortwahl, weil sie wusste, dass diese Wortwahl Wirkung zeigen würde. Was auch immer ihre Beweggründe waren, der Artikel wurde von der Seite entfernt, die Moderatorin Kiesbauer klagte die Journalistin Knecht; berechtigt oder unberechtigt das ist für mich nicht weiter wichtig. Persönliches vor Gericht auszutragen zählt nicht zu meinem Geschmack.
Doris Knecht schreibt nicht nur Kolumnen in österreichischen Zeitungen, sondern auch Bücher. Ihre Themen sprechen mich an, ihre scharfzüngige Feder hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack. Kurzfristig stellte ich mir vor, dass die Namen in besagtem Artikel getauscht wurden: Kiesbauer die Journalistin ? Knecht die Moderatorin. Daraus ergab sich plötzlich ein seltsames Bild.
http://de.wikipedia.org/wiki/Arabella_Kiesbauer
http://de.wikipedia.org/wiki/Doris_Knecht
Ein Freund von mir liest Doris Knechts Kolumne fast regelmäßig im Kurier und schätzt ihre Schreibweise; darin unterscheiden wir uns, er liest sie oft, ich selbst ab und zu ? und so sollte es meiner Meinung nach auch sein. Lesen, was gefällt.
Vielleicht aber zeigt Doris Knecht ihre wahre journalistische Größe und setzt einen Schritt zu einer außergerichtlichen Lösung. Das würde mir persönlich sehr gefallen, denn ?Journalistin vor Gericht? wegen diesem Weblog Eintrag, klingt ein wenig nach Opferrolle für mich.
Aus diesem Grund höre ich aufmerksam zu und denke darüber nach, wenn Menschen über sich selbst erzählen, warum sie an etwas Gefallen finden, worüber sie sich kränken, worunter sie leiden, was sie in Wut versetzt, etwas unbedingt haben müssen, ein Buch kaufen, ins Kino gehen, ein Magazin besorgen, eine Trafik aufsuchen, eine Fahrkarte lösen, eine Stadt besuchen, ans Meer fahren, ihre Arbeit aus anderer Sicht betrachten, Mutter und Vater nicht be(leid(en))igen, wie z.B. meine Schwester die Berge anziehen und nicht die Buchstaben - wie mich selbst, meine FreundInnen Leidenschaften vermissen oder vor Lebensscherbenhaufen stehen usw. usf., oder auch nicht. Ich finde und entdecke unentwegt Neues auf dem täglichen Weg. Hindernisse oder Ärgernisse vernichte ich nicht mit Worten, Hindernisse sind oftmals Auf- und Herausforderungen zum Handeln für mich. Nicht jede von mir gesetzte Handlung ist für mich ein Lebensgewinn, auch Verluste und Enttäuschungen können sich daraus ergeben, das ist auch für mich so und treibt mich stetig voran.
Morgen werde ich mir dieses Buch von Doris Knecht, das mein Freund besitzt anschauen und entscheiden, ob ich es kaufen werde oder nicht. http://www.dorisknecht.com
So geht das! Wie man fidel verspießert
Czernin 2006, ISBN 3-7076-0203-6
ISBN 978-3-7076-0203-6
16.01.2006 - http://www.malune.at
Mathieu Lune
Arabella Kiesbauer / Doris Knecht ?VERGLEICH?
Der ?VERGLEICH? ist unter zu lesen:
http://blog.zeit.de/oesterreich/2007/01/31/vergleich-mit-frau-arabella-kiesbauer_367
Dieser Vergleich amüsiert mich ein wenig.
Mich persönlich würde es schon ein wenig schmerzen, wenn ich mit Vollblut und Überzeugung etwas verfasse, nach ein paar Wochen mich jemand vor Gericht zerrt und ich plötzlich aus reinen Vernunftgründen einen Vergleich unterzeichne, der inhaltlich mich der Verbreitung von ?? unwahren Tatsachenbehauptungen? anschuldigt.
Was zurück bleibt, dass Angriff, ob zu Recht oder Unrecht selten die erwünschte Wirkung zeigt.
Knechts Starmania Artikel fand ich mehr als provokant. Dass A. Kiesbauer den direkten Weg, den Weg zu Gericht nahm, gefiel mir ebenso wenig.
Von zwei eloquenten Frauen, jede in einer anderen Sparte erfolgreich tätig, hätte ich mir in diesem Fall ? ?Beleidigung? ? eine souveränere Lösung erwartet. Der direkte Zug vor Gericht hinterlässt einen Beigeschmack, der VERGLEICH einen Nachgeschmack.