Avatare im Gespräch

Von Ronnie Grob, 8. Januar 2007 11:17 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

second life interview

Die Zeit hat sich das Online-Spiel Second Life näher angeschaut. Götz Hamann und Jens Uehlecke preisen das Spiel in einem längeren Artikel als “neue Volkswirtschaft” und als “Vorbote des künftigen Internets”. Sie berichten von 14000 Unternehmern, die dort bereits ein profitables Geschäft betreiben.

Eine davon ist Anshe Chung, “Your global leader in virtual real estate”. Es ist die SL-Figur von Ailin Gräf, welche es mit dem Handel von virtuellen Immobilien zur Dollarmillionärin geschafft hat. Der Text “Im zweiten Leben reich geworden” fasst ein augenscheinlich zwischen den Avataren Anshe Chung und Britney Bienenstich geführtes Gespräch zusammen. Ein Ausschnitt des in den neuen Büroräumlichkeiten der Firma geführten Interviews ist hier zu sehen.

Es ist anzunehmen, dass der Avatar mit der tadellosen Haltung und dem blütenweissen Kleid, Britney Bienenstich, die virtuelle Existenz von Zeit-Reporterin Chris Köver ist.

Die Kommunikationsmöglichkeiten im Journalismus erweitern sich also. Zur Möglichkeit, ein Gespräch persönlich, telefonisch, per Mail oder per Chat zu führen, kommt nun der Austausch von Avataren dazu.

Wenn das tatsächlich die Zukunft des Internet ist - werden wir also bald den Avatar von Angela Merkel sehen, umringt von Avataren der wichtigsten Politjournalisten? Wahrscheinlich nicht, denn eine vorteilhafte virtuelle Präsentation kann nicht allein mit Geld hergestellt werden, sondern braucht einiges an technischem Geschick.

Ein weiteres Interview, offenbar ebenso virtuell geführt, macht Zeit Online mit dem “Unterboss einer Mafiafamilie”, Thommy F.

Ein Zitat daraus:

Es gab viele wirklich schöne Momente. Der beste war, als wir eine komplette andere Familie innerhalb von zwei Tagen ausradiert haben. Nicht zu vergessen, dass wir ihr Geld bekamen. Glücklicherweise haben unsere Methoden niemals dazu geführt, dass sich Linden Lab (der Betreiber von Second Life) eingemischt hat – abgesehen von ein paar gesperrten Zugängen von Leuten, die Drecksarbeit für uns erledigt.

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