Das Magazin macht “Geschenke”
Über dem Schriftzug DAS MAGAZIN des Tages-Anzeiger-Magazins von gestern steht:
Doppelnummer: Mit Alain de Botton, Carla Bruni, Mona Vetsch. Und einem Geschenk!
Da der letzte Satz in gelb oder gold gegenüber den übrigem grauen Text hervorgehoben ist, fällt er auf und man fragt sich schon bei der Frontseite, was einem wohl dieses Heft schenken möchte. Ein Abo vielleicht? Ein Accessoire zum Heftthema “Schöner leben” vielleicht? Endlich eine anständige Website?
Man macht sich auf die Suche. Die Doppelnummer kann es nicht sein, da wird einem ja eine Ausgabe gestohlen. Man blättert auf Seite 45. Dort findet man ein ebenso schönes wie sinnfreies Bild einer Kaminfegerin mit weisser Fliege um den Hals, eine Variation des Titelbilds. Gross steht nochmals:
Das Geschenk
Hier ist “Das Magazin” normalerweise zu Ende. Das Jahr ist es auch schon fast. Aber wir haben noch was. Ein kleines Geschenk. Setzen Sie sich hin. Blättern sie um.
Machen wir doch. Ah, Jack Nicholson. Ist ja im Kino mit The Departed. Ein Gespräch mit Peter Bogdanovich. Aber das hatten wir doch schon. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 16.11.2006 (war in 6 vor 9 ). Im Unterschied, dass dort der deutsche Text (gekürzt, hier) und der originale englische Text (”edited for clarity”, hier) online zur Verfügung gestellt wurde. Das Magazin hat nun auch nochmals Hand angelegt und macht den Text ein drittes Mal etwas kürzer. Zum Ausgleich wurde das Gespräch mit Bildern von und Informationen über Jack Nicholson angereichert.
Obwohl es, so stelle ich mir vor, ein Leichtes gewesen wäre, die Texte online zu stellen, wurde das nicht gemacht. Ebenso fehlen in dieser Ausgabe die üblicherweise auf dasmagazin.ch lesbare Titelgeschichte sowie das von vielen verehrte Kreuzworträtsel und die Rubrik “Ein Tag im Leben”. Die Meldung “hier ist das Magazin normalerweise zu Ende” ist folglich unwahr. Verzichtet wurde auch auf die Angabe, dass und wo das Interview bereits erschienen ist.
Nun, es ist Weihnachten und ich fühle mich auch schon ganz schlecht, gemachte Geschenke auseinanderzunehmen und zu kritisieren. Ich mag auch der ganzen Redaktion die sicher verdienten Ferien gönnen. Nur: Warum gibt man nicht einfach zu, etwas kürzer treten zu wollen, eine Nummer ausfallen zu lassen und dafür im neuen Jahr mit atemraubenden Stories zurückzusein? Das wäre ehrlicher und echter gewesen als ein bereits verschenktes Geschenk unsorgfältig neu zu verpacken und dieses auch noch von Fanfarenstössen begleitet den Lesern unter den Baum zu legen.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- medienlese » Blog Archiv » Schawinski und die Deutschen
(6. Januar 2007 23:17)
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mastermind
Der Fairness halber müsste vielleicht noch angefügt werden, dass der “Tag im Leben von…” durch “Eine Woche im Leben von”…ersetzt wurde; ein Tagi-Redaktor schildert, wie er vor zwei Jahren mit der Diagnose “Hirntumor” konfrontiert wurde und was anschliessend mit und ihn ihm passierte.
Das ist mindestens ebenso lesenswert wie das sträflich gekürzte Nicholson-Inti.
Ronnie Grob
Das ist wahr, ja.