Army Times:
“Rumsfeld muss gehen”

Peter Sennhauser, 5. November 2006 10:19 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Eine hochangesehene amerikanische Armee-Zeitung fordert den Rücktritt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld

Üblicherweise zitieren Zeitungen andere Zeitungen nur ungern. Am Wochenende allerdings haben etliche US-Zeitungen den Verlag der “Army Times”, Herausgeber einer ganzen Reihe hoch angesehener Blätter für alle Abteilungen des Amerikanischen Militärs, auf ihren Frontseiten zitiert: Die Army Times, Air Force Times, Navy Times und Marine Corps Times drucken am Montag ein Editorial, in dem sie den Rücktritt des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld verlangen. Aus dem Editorial [via SFgate]:

“So lange unsere Regierung den Rückhalt einer wachen und informierten Öffentlichen Meinung braucht… so lange ist es notwendig, die volle schmerzhafte Wahrheit zu sagen.”

Diese Aussage hat die Pulitzer-Preisträgerin Marguerite Higgins als Kriegs-Korrespondentin vor mehr als einem halben Jahrhundert im Korea-Krieg gemacht.

Aber bis vor kurzem war es schwierig, die schmerzhafte Wahrheit von den Führern in Washington zu erfahren. Eine rosa Rückversicherung nach der andern ist uns von Präsident Bush, Vizepräsident Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verabreicht worden: “Mission erfüllt”, die Insurgency liegt “in den letzten Zügen” und “lasst uns in Ruhe, wir wissen, was wir tun” sind einige ausgewählte Beispiele.

Hohe Militärs haben sich zurückgehalten, obwohl einige Generäle im Ruhestand aus der Sicherheit des Zivillebens aufgemuckt haben und darauf sowohl von Kriegsgegnern angegriffen worden sind, die sagten, sie hätten noch in Uniform protestieren müssen, als auch von Befürwortern, die fanden, sie sollten überhaupt mit Kritik zurückhalten.

Jetzt aber ist ein neuer Kritiker-Chor zu hören. Aktive Offiziere beginnen die Planung, die Ausführung und die verblassenden Chancen für einen erfolgreichen Abschluss des Krieges in deutlichen Worten zu thematisieren.

Und die ganze Zeit hat uns Rumsfeld versichert, alles sei bestens.

Jetzt erklärt der Präsident, er werde für den Rest seiner Amtszeit an Rumsfeld festhalten.

Das ist ein Fehler.

Es ist eine Sache, wenn die Mehrheit der Amerikaner denkt, Rumsfeld habe versagt. Aber wenn die aktiven Militärführer offen mit dem Verteidigungsminister brechen, dann ist klar, dass er die Kontrolle über jene Institution verloren hat, die er angeblich leitet.

Diese Offiziere haben lange loyal eine Kriegspolitik mitgetragen, von der viele insgeheim fürchteten, sie werde scheitern. Sie haben ihre Zweifel für sich behalten.

Rumsfeld hat das Vertrauen der Offiziere, der Truppen, des Kongress und der Öffentlichkeit verspielt. Seine Strategie ist gescheitert, und seine Führungsfähigkeit ist kompromittiert. Und auch wenn er die Verantwortung für den Misserfolg im Irak trägt, sind es die Soldaten, welche die brutalen Folgen am eigenen Leib erdulden müssen.

Hier geht es nicht um die Kongresswahlen vom Dienstag. Ungeachtet, welche Partei am 7. November gewinnt ist die Zeit gekommen, Herr Präsident, die schmerzhafte Wahrheit zu erkennen:

Donald Rumsfeld muss gehen.

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