Lieber Frank A. Meyer

Von Ronnie Grob, 25. Oktober 2006 10:13 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

So beginnt eine heute im Blick erscheinende ganzseitige Anzeige der Weltwoche auf Seite 10. In weisser Schrift auf blauem Grund ist folgendes zu lesen:

Lieber Frank A. Meyer,

lesen Sie den Vorabdruck der Memoiren Ihres Freundes Gerhard Schröder morgen exklusiv in der Weltwoche.

Hintergrund des Inserats ist das mangelnde Interesse des Blicks an den Memoiren von Gerhard Schröder, deren teilweise Vorveröffentlichung man aufgrund der Nähe des Ex-Bundeskanzlers zur Ringier-Gruppe am ehesten in einer ihrer Publikationen vermutet hätte.

Den Verzicht des Blicks halte ich aus mehreren Gründen für geschickt:

1. Die Kosten für den Vorabdruck wurden eingespart.

2. Es wurde eine ganzseitige Anzeige verkauft und das erst noch an einen Konkurrenz-Verlag.

3. Hätte der Blick die Memoiren vorabgedruckt, dann wäre er die darauffolgende Woche in vielen Kolumnen am Pranger gestanden. Die Rollen von Schröder und Meyer im Riniger-Konzern wären diskutiert worden, Spekulationen über den Kaufpreis wären aufgekommen und das Wort “Filz” wäre gefallen. Das wurde nun erfolgreich verhindert.

4. Das Langweilen der Leser mit Memoiren wurde umgangen und der Weltwoche überlassen. Doch warten wir den morgigen Tag ab. Die Currywurst ist noch nicht gegessen.

Update am 26.10.2006, 08:40 Uhr: CHAI-YO! hat die Anzeige gescannt und präsentiert sie in seinem Blog.

» Mehr lesen: Frank A. Meyer (6), Werbung (58), Zeitschriften (202), Zeitungen (384)

» Weitere Artikel der Kategorie "News" lesen

» Nächster Artikel: Blick liebt Shell
» Älterer Artikel: 6 vor 9

» Drucken
» Merken/E-Mail


Einen Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

  • Neueste Artikel

    • vor 11 Stunden, 0 Kommentare

      Journalistenphrasen - Eine Einführung

      Die verklausulierten Phrasen der Journaille kennen wir zwar alle. Aber niemand weiss, warum die Journalisten sie noch immer gebrauchen. Eine Übersetzungshilfe. » weiterlesen

    • vor 13 Stunden, 1 Kommentare

      6 vor 9

      Sowohl georgische als auch russische Medien ziehen Hitler-Vergleiche und Matthias Horx sieht in der grassierenden Boulevardisierung der Zeitungen einen Selbstmord als Angst vor dem Tod. Unsere Presseschau. » weiterlesen

    • Gestern, 10 Kommentare

      Schweizer Promiblogger:
      Teleblocher vs. Leuenberger

      Das Blog von Moritz Leuenberger und das wöchentliche Video-Interview mit Christoph Blocher. Ein Vergleich der Schweizer Vorzeige-Politblogger. » weiterlesen