Blick mit Medienkritik

Ronnie Grob, 18. Oktober 2006 21:04 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Blick macht nun auch Medienkritik. Auf der heutigen Titelseite steht, dass der kranken Schwester von Gabriela Amgarten, Chefin der Abteilung Unterhaltung im Schweizer Fernsehen, übel mitgespielt wird. Passiert sei das in einem “wirren Talk” mit Markus Gilli, Programmleiter und Chefredaktor des Zürcher Regionalsenders TeleZüri und motivierter, aber bisher etwas minimalistischer Blogger.

Gemäss Blick heisst die Frau Kate Amgarten, ist 54 und hat Hausverbot beim Schweizer Fernsehen. Sie sagt:

Nachts lese ich die Gedanken von George Bush. Dazu verlasse ich meinen Körper und dringe in seinen Geist ein. Er ist kein guter Mensch.

Weiter erfährt man, dass Kate Amgarten nur zehn Prozent Sehschärfe besitzt und blind geboren wurde, was nach eigenen Aussagen zu genauerem inneren Sehen geführt hat.

Was ich mich frage: Wird Kate Amgarten als “krank” bezeichnet, weil sie blind ist? Oder wegen ihrer eigenwilligen Aussagen? Je nachdem könnten entweder Blinde oder Kate Amgarten ziemlich beleidigt sein. Oder fühlen sich Blinde respektive Kate Amgarten tatsächlich krank? Auf Blick Online steht:

Tatsache ist, dass Kate Amgarten (54) schwer krank ist, sie ist praktisch blind, und dass sie die Schwester von Gabriela Amgarten (44) ist, der SF-Unterhaltungschefin.

Dennoch man muss die Relationen sehen: Es reicht, nur einen Text im Bildblog zu lesen, um zu wissen, dass es sich beim Blick um gesitteten Boulevard handelt.

Der Kern der Geschichte zielt aber nicht auf die Hellseherin, sondern auf die Gegner bei den Medien. Markus Gilli wehrt sich auch postwendend in einem Interview mit persoenlich.com.

Mit der Antwort auf die letzte Frage bestätigt er meinen nach drei Wochen Abonnement gewonnenen Eindruck, nämlich, dass diese Zeitung jegliche Haltung vermissen lässt und sich wendet wie ein fallendes Blatt im Oktoberwind. Sie handelt vornehmlich aus Eigeninteresse und aus Opportunismus und legt sich auf eine Meinung höchstens für einige Tage fest. Auch der Leser steht nur soweit im Mittelpunkt, als dass er an Aktionen mitmacht, eine gute und günstige Geschichte einreicht und natürlich das Blatt kauft. Für den Rest vertraut man auf den gut eingeführten Namen.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. hans

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 22:42 Uhr (#)

    ach ronnie, viel seltsamer ist doch, dass ausgerechnet der blick sich an dem ombudsmann von ta-media wendet - wie wenn der blick nicht selbst gleich fünf ombudsmänner beschäftigen könnte.

  2. Ronnie Grob

    schrieb am 19. Oktober 2006 um 08:56 Uhr (#)

    Das habe ich mir auch gedacht. Der Ombudsmann hat übrigens zwischenzeitlich geantwortet.

  3. Flöru

    schrieb am 23. Oktober 2006 um 12:45 Uhr (#)

    “Moderator Markus Gilli war laut Blick “nicht müde geworden”, Kate Amgarten immer wieder als Schwester der SF-Unterhaltungschefin zu nennen. Blick wollte von Liener wissen, ob dies ein Fall von Sippenhaft ist.”

    Lustig sind diese Blick-Fragen an den TA-Ombudsmann insofern, als dass der Blick diesen Schund zweimal auf die Front schleppte, natürlich zweimal mit grossem Foto von G. Amgarten.

    Ist dies ein Fall von Sippenhaft?

  4. Ronnie Grob

    schrieb am 23. Oktober 2006 um 13:47 Uhr (#)

    Absurd auch, wie der Blick mit der sehbehinderten Kate Amgarten den distanzierenden Brief ihrer Schwester durchliest, nur ihre Reaktion darauf als “Zusammenbruch” werten zu können.


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