Durch die Hintertür

Ronnie Grob, 14. Oktober 2006 18:12 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Wer kennt das Problem nicht? Ein interessanter Artikel ist online eingestellt, aber im geschützen Bereich, also nur für Abonnenten des Blatts zu lesen. Es ist ja nicht so, dass Leser im Internet keine Zeitschriften oder Zeitungen kaufen würden, doch was nützen ihnen Hinweise auf Artikel, von denen sie dann doch nicht mehr als den Titel und den Lead zu sehen kriegen?

Bis die Blätter eingesehen haben, dass Artikel, die online nicht in voller Länge zu lesen sind, in Zukunft gar nicht existieren werden, geben wir Tipps, wie gesperrte Texte entsperrt werden. Es ist einfacher, als man denkt:

I: Die Weltwoche: Ich folge einem Tipp von Pendlerblog-Kommentierer kreegee und, schwupps, lese eine Kolumne, die ich noch vor ein paar Tagen unerfolgreich verlinkt habe. Wie hat das kreegee gemacht? Ganz einfach, nehmen wir als Beispiel einen Text von Daniel Ammann: “Sehnsucht nach der Kolonialzeit”. Der Link aus der Inhaltsübersicht der Ausgabe 41/06 lautet:

http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=15091&CategoryID=82

Wir klicken drauf und sehen, aha, da braucht man ein Abo. Nun fügen wir in die Befehlszeile nach dem Schrägstrich und vor dem Fragezeichen die Zauberformel print.asp ein, was uns zu folgendem Link führt:

http://www.weltwoche.ch/artikel/print.asp?AssetID=15091&CategoryID=82

Es ist das der gleiche Link, der geöffnet wird, wenn man als Abonnent der Zeitschrift auf “Artikel drucken” klickt. Der ist freundlicherweise und hoffentlich auch in Zukunft nicht gesperrt. Verloren dabei geht einem in diesem Fall nur ein Bild von Andrew Mwenda, das in der Printausgabe gar nicht abgedruckt ist.

II: Die Sonntagszeitung: hat alle Texte frei verfügbar, macht es aber dem Leser nicht leicht, diese auch zu finden. Auf der Frontseite werden jeweils am Sonntag als Appetizer, die Behausung zu verlassen und die Zeitung in Form eines gefällten Baums zu erstehen, eine Auswahl von Links bereitgestellt. Klickt man auf einen dieser, so sieht man in der Befehlszeile eine Zahl, deren Endziffern man abändern kann, womit ein anderer Text ausgespuckt wird. Bis auf diesem Weg ein für 6 vor 9 verwendbarer Artikel gefunden wird, kann schon mal die eine oder andere Minute vergehen. Doch: Das Interview mit Giovanni di Lorenzo wurde aufgefunden und ist nun nur noch einen Klick weit weg.

Solche kreativen Spiele, die unter Umständen im Sinne der Erfinder sind (denn man beschäftigt sich ausführlich mit ihnen), wären natürlich nicht nötig. Da aber viele Inhalte auch weiterhin versteckt, gesperrt, verhindert werden, bleibt dem interessierten Surfer nichts anderes, als zu solchen Mitteln zu greifen.

Falls die Erklärungen etwas umständlich waren, bitte mich das zu entschuldigen: Ich bin vorwiegend lesewilliger Benutzer und der Technik nur begrenzt zugeneigt. Verbesserungen dazu oder weitere Hinweise von anderen findigen Leuten sind daher sehr willkommen und in den Kommentaren erwünscht. Mich würde es freuen, auch andere mir bisher verwehrte Texte zu lesen.

Update am 17.10.2006, 14:50 Uhr: Für weltwoche.ch klappt die Anleitung leider nicht mehr. Die neusten Entwicklungen dazu sind im Beitrag “Weltwoche rollt den Stein wieder vor das Loch” nachzulesen.

Update am 21.10.2006, 22:50 Uhr: Ein neuer Weg zu den geschützen Inhalten ist gefunden. Statt print.asp fügt man einfach pda.asp ein. Mehr dazu bei blog.benbit.ch.

Update am 23.10.2006, 14:10 Uhr: Auch diese Lücke wird wieder geschlossen.

Update am 24.10.2006, 08:50 Uhr: Eine dritte Möglichkeit eröffnet sich. Mehr dazu bei blog.benbit.ch.

Update am 24.10.2006, 15:00 Uhr: Auch diese Lücke wird wieder geschlossen.

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10 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Krusenstern

    schrieb am 16. Oktober 2006 um 08:22 Uhr (#)

    Endlich zeigt jemand einen Weg zu spannenden Inhalten. Auch wenn ich eine ganze Reihe Zeitungen abonniert habe, kann ich unmöglich alle abonnieren. Selbst der Gang zum Kiosk nützt oft nichts - denn wo bekomme ich zum Beispiel eine “Süddeutsche Zeitung” (wenn ich nicht gerade zufälligerweise im HB Zürich stehe)?

    Jürg

  2. Shark

    schrieb am 17. Oktober 2006 um 10:21 Uhr (#)

    Müssen solche Geheimnisse öffentlich diskutiert werden?

    Mit dem Gratis-Archiv der “Weltwoche” dürfte es nun bald einmal vorbei sein… dabei ist gerade die “Weltwoche” vorbildlich stellt sie ihren Abonnenten ihr Archiv kostenlos zur Verfügung, auf Jahre zurück und ohne abschreckende Applikation im Stil von Tagi und NZZ… :->

  3. phogenkamp

    schrieb am 17. Oktober 2006 um 11:27 Uhr (#)

    Hallo Shark

    Diese Diskussion - Soll man coole Insider-Tricks der breiten Masse verraten und damit riskieren, dass man sie irgendwann selbst nicht mehr nutzen kann? - gibt es öfter.

    Während der WM im Sommer gab es das Forum tooor.de, in dem diskutiert wurde, wie man mit einem speziellen Windows-Tool noch an Tickets kam. Spiegel Online berichtete darüber, und bald nutzten es so viele Leute, dass sich die “Alten” beschwerten, SpOn habe mit seinem Artikel alles “kaputtgemacht”. Ich fand es dagegen super, denn ich habe das ganze auch erst über den Artikel kennen gelernt - und bin auch an Tickets für drei Spiele gekommen.

    Wie man solche “Enthüllungen” findet, ist wohl immer eine Frage der Perspektive: Ist man vorher schon “dabei” oder noch nicht? Aus journalistischer Perspektive finde ich ganz eindeutig, so etwas muss berichtet werden

    Gruss, Peter

  4. Michael

    schrieb am 17. Oktober 2006 um 18:38 Uhr (#)

    Kleiner Tipp. Die NZZ speichert auch viele ihrer Artikel auf dem Web und so findet man sie auch recht gut. Ich hab mir mal eine kleine NZZ-Suchmaschine kreiert, die noch immer funktioniert.

    Unter: http://www.michaelheim.com/nzz

  5. Daniela A. Caviglia

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 09:43 Uhr (#)

    Auch der Tagi lässt sich ganz einfach knacken. Anleitung hier: http://blogmitpep.blogspot.com/2006/10/zurck-und-gleich-den-tagi-geknackt.html

  6. Shark

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 09:56 Uhr (#)

    @Michael: Die NZZ veröffentlicht kaum noch Artikel auf ihrer Website, vor einiger Zeit wurden die meisten entfernt und in der Folge einige 100′000 Google-Links ungültig. Damit hilft auch deine Suchmaschine nicht weiter, führt sie doch auch bloss zu Google…

    @phogenkamp: Blogging als Journalismus? ;) Nein, klar, dieser Anspruch ist legitim. Und Blogwerk benötigt ja dringend PR. Ich frage mich bloss, ob man so ein Publikum jenseits der Bloggerszene anlockt?

  7. phogenkamp

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 10:22 Uhr (#)

    Hallo Shark

    Brauchen wir nicht alle dringend PR?

    Ob das bloglesende Publikum im deutschsprachigen Raum mal deutlich über die “Bloggerszene” hinaus wächst (wobei die nicht scharf definiert ist, sie könnte natürlich auch als solche wachsen), ja, das ist die grosse Frage. Ich wette darauf, sonst hätte ich nicht Blogwerk gegründet. In zwei Jahren wissen wir mehr.

    Gruss, Peter

  8. Blattkritik

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 10:31 Uhr (#)
  9. Shark

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 11:26 Uhr (#)

    @phogenkamp: Für mich ist das in Ordnung. Schade ist es für all jene, die nicht als Abonnenten Zugriff auf die verschiedenen Online-Versionen hatten… als Abonnent der bislang erwähnten Publikationen wünsche ich mir vor allem, dass der Zugriff einfach und umfassend möglich ist. E-Paper-Applikationen benötige ich nicht, schon gar nicht solche Bookmark-Möglichkeit im Browser… PDF ist in Ordnung (falls speicherbar), noch besser finde ich gewöhnliche Browser-Seiten. Könnte da nicht Dein Unternehmen mal eine innovative Software anbieten? ;)

  10. shibby

    schrieb am 18. Oktober 2006 um 11:40 Uhr (#)

    himmel was erstellt kaywa für hässlich trackbacks?


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