25 Jahre WOZ

Ronnie Grob, 7. Oktober 2006 18:26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die linke Wochenzeitung feiert ihr 25jähriges Bestehen mit einem Fest, das heute in der Roten Fabrik stattfindet. Ausserdem ist seit Donnerstag eine Sonderausgabe an den Kiosken, die es in sich hat. Speziell daran ist einiges:

Erstens, wie Redaktionsleiterin Susan Boos betont, ist es nicht selbstverständlich, dass es diese bisher unzählige Male tot gesagte Zeitung tatsächlich noch gibt.

Zweitens wird sie im Layout der frühen Achtziger Jahre gedruckt, was in der farbigen und multimedialen Bilderflut mal wieder ein erfrischend unaufgeregtes Daherkommen ist.

Drittens sind darin Texte von ehemaligen WOZ-Autoren der letzten 25 Jahre versammelt. Dabei:

- ein spannendes Interview von Magazin-Chefredaktor Res Strehle mit dem SVP-Politiker Christoph Mörgeli, der seine Bewunderung für den ebenfalls ehemaligen WOZ-Autor Niklaus Meienberg ausdrückt.

- ein Round-Table-Gespräch mit Marianne Fehr (jetzt Weltwoche), Alex Grass (jetzt VCS) und Adrian Schmid (jetzt Radio DRS) mit Susan Boos und Bettina Dyttrich (beide WOZ), in dem es um Hodenbaden als antiimperialistische Tat, um die redaktionelle Ablehnung von Computern, um geschickt platzierte Intrigen, um eine Schlägerei wegen einem ins Gegenteil verkehrten Titel und um Arbeit bis vier Uhr morgens geht.

- der langjährige Redaktor Fredi Lerch erklärt, warum nie ein richtiger Linker war.

- Max Dohner (ehemals Konzept) schreibt vor dem Hintergrund der sandinistischen Revolution in Nicaragua über die Schwierigkeiten, sich politisch festzulegen und über die Einsamkeit des Skeptikers.

- bereits erwähnt: Constantin Seibts reine Wahrheit.

      Wünschen wir der WOZ alles Gute für die Zukunft. Wenn es nicht klappt mit dem Turnaround der einbrechenden Leserzahlen, wie sie von der NZZ etwas hämisch konstatiert werden, so wird die Summe der diversen Geldeintreibaktionen wie bis anhin ein Überleben garantieren. Mit Geldeintreibaktionen sind die Abokündigungen auffangenden originellen Finanzierungsmethoden gemeint, zum Beispiel das ganzseitige Inserat der “neutralen Dienerin der MillionäreCredit Suisse. Oder der Fingertipp auf die Rautetaste bei einem Anruf auf 0900 588 525, was dem Apparat 25 Franken in Rechnung stellt. Bei der CS angestellte WOZ-Leser wissen nun sicher, was zu tun ist.

      Und wenn es auch dann noch nicht reicht, wird ein zum reichen Feind aufgestiegener ehemaliger Genosse das Budget ausgleichen. Aus Nostalgie oder aus Bewusstsein.

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