Sonntagsblick-Journalisten berichten über eigene Bücher

Ronnie Grob, 10. September 2006 20:06 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung wird nicht nur im Bereich der Gratiszeitungen immer undurchsichtiger. Heute im Test: der Sonntagsblick. Einzelverkaufspreis: 3 Schweizer Franken.

Seite 5: In der Infobox unten rechts sind unter dem Titel “Reich belohnte Schönheit” sieben Produkte aufgelistet, die Miss Schweiz unter anderem zu ihrer Krone hinzugewinnt. Das sieht zwar aus wie eine Anzeige, interessiert aber den Leser und ist somit ganz klar im Rahmen des Informationsauftrags.

Seite 9: “Brad Pitt steht auf Schwule”. Das ist keine Werbung, vor allem nicht für das eigentliche Anliegen von Brad Pitt, nämlich allen in den USA die rechtliche Grundlage zum Heiraten zu ermöglichen. Es ist lediglich ein irreführender Titel eines kurzen Textes.

Seite 13: Sandro Brotz und Beat Jost schreiben weiter an der im Januar 2006 aufgedeckten CIA-Affäre (Fax-Affäre). Am Schluss des Artikels ein Bild von einem Buch. Es heisst “CIA-Gefängnisse in Europa”. Die Autoren: Sandro Brotz und Beat Jost. Der Text zum Bild: “Das Buch zum Skandal.”

Seite 17: “Buch enthüllt: Weibel wollte SBB mit Deutschen fusionieren.” So der Titel des redaktionellen Beitrags eines ungenannten Autors. Zu erfahren ist nur, dass das Buch von den SonntagsBlick-Journalisten Christian Dorer und Patrik Müller geschrieben wurde. Auf der Seite 22 der Beilage “SIE+ER” stehe ein Vorabdruck, wird man am Ende des Texts informiert. Tatsächlich: auf eineinhalb Hochglanzseiten ein “Ausblick” auf das Buch “Der rote Boss”, “ab Dienstag im Handel”.

Seite 19: “Cash Daily: Start geglückt”. So der Titel, wichtig hier das kleine Sternchen im Lead. Folgt man diesem, liest man, übrigens sehr korrekt vermeldet, über Thomas Trüb, der dem SonntagsBlick ein Interview zum Thema gibt: “Trüb ist Gründer von Cash und Verantwortlicher für Wirtschaftsmedien im Ringier-Konzern, der auch den SonntagsBlick herausgibt.” Kritsche Frage (eine von vier): “Ähnelt das Erscheinungsbild nicht zu stark der Gratis-Zeitung 20 Minuten?”

Fazit: in einer Ausgabe wird zweimal ausführlich auf Bücher von insgesamt vier SonntagsBlick-Journalisten hingewiesen sowie einmal auf eine Neulancierung des eigenen Konzerns.

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  1. medienlese » Blog Archiv » War Fax-Affäre eine PR-Aktion?
    (17. April 2007 13:10)

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